Innovationen

Business Management

Was uns jetzt weiterbringt

Engagierte Macher und Gestalter, deren Firmen durch ausgezeichnete Innovationen auf sich aufmerksam gemacht haben, beschreiben, welche Impulse ihre Arbeit in Zukunft erleichtern und voranbringen würden.

Dr. Timo Krüger - Fiagon

Weniger Bürokratie

Was muss sich ändern? 

„Durch den enormen bürokratischen Aufwand, der mit der Beantragung von Fördermitteln zusammenhängt, ist die aktuelle Politik sehr fragwürdig. Die Mittel müssen von der Politik gezielter eingesetzt werden. Wichtig wäre auch eine zeitliche Beschleunigung: Man kann mit den Mitteln nie planen, da man nie weiß, wann sie kommen. Außerdem muss der Transfer von Know-how zwischen wissenschaftlichen Projektträgern und der Wirtschaft in Deutschland verbessert werden.“

Wer fordert das? 

Dr. Timo Krüger ist Gründer und Geschäftsführer von Fiagon. Das Unternehmen mit Sitz im brandenburgischen Hennigsdorf hat 24 Mitarbeiter und entwickelt biomedizinische Technologien. Schon 2011 schrieb das 2007 gegründete Unternehmen schwarze Zahlen. Mittlerweile ist Fiagon in rund 20 Ländern vertreten. Krügers Ziel: „Wir wollen kein unbekanntes Start-up-Unternehmen bleiben, sondern als Technologieführer weltweit erfolgreich sein – und damit Geld verdienen.“

Was ist die Innovation des Unternehmens in einem Satz? 

Chirurgiewerkzeuge mit Navigationssystem.

Um was geht es dabei?

Ein weltweit einzigartiges klinisches Navigationssystem, mit dem Chirurgen ihre Operationen planen und ihre Instrumente während des Eingriffs millimetergenau steuern können. Die computergestützten Navigationssysteme ermöglichen es dem Operateur, sich in Echtzeit zu orientieren und sensible anatomische Strukturen zu erkennen, bevor Risiken drohen. „Unser System funktioniert ähnlich wie ein Navi im Auto, nur dass unsere Karten aus Daten der Röntgenbilder oder Computertomografien des Patienten bestehen“, so Krüger.

Quelle: Georg Roske

Dr. Timo Krüger:
"Fördermittel müssen gezielter und schneller eingesetzt werden."

Christian Grobe, Matthias Knecht - Zencap

Wachstumskapital

Worunter leidet der Mittelstand?

„Dem deutschen Mittelstand fehlt der einfache Zugang zu Wachstumskapital. Zencap erleichtert dies und treibt damit den längst überfälligen Kulturwandel in der Finanzbranche voran – weg von abstrakten Finanzprodukten mit spekulativem Charakter hin zu lokalen Lösungen für Unternehmer und Anleger. Leider hat die Bundesregierung die Chancen der digitalen Revolution in der Finanzbranche nicht erkannt und überlässt das Feld erneut den USA und Großbritannien. Dieses Mal nicht nur zum Nachteil der deutschen Start-up-Szene, sondern auch des gesamten deutschen Mittelstands.“

Wer behauptet das? 

Im März 2014 gründeten die beiden ehemaligen McKinsey-Mitarbeiter Christian Grobe (li.) und Matthias Knecht in Berlin Zencap, einen „Online-Marktplatz für innovative Mittelstandsfinanzierung“ und eine Kampfansage an das herkömmliche Bankensystem: „Unternehmer brauchen Investoren, so wie Investoren Unternehmen brauchen. Eine Bankfiliale braucht dabei niemand.“ Nach nur sechs Monaten konnte Zencap bereits Unternehmenskredite im Wert von fast drei Millionen Euro finanzieren. 

Was ist die Innovation des Unternehmens in einem Satz?

Online-Kreditmarktplatz für den Mittelstand – ohne Banken.

Um was geht es genau?

Das Prinzip ist einfach: Im Gegensatz zu Bankkrediten funktioniert die Kreditvergabe über die Online-Plattform für „Crowdlending für den Mittelstand“ direkt zwischen Unternehmen, Einzelkaufleuten und Freiberuflern auf der einen und Investoren auf der anderen Seite. Die Höhe der gewährten Kredite liegt zwischen 10000 und 150000 Euro. Um das Risiko für die privaten Anleger, die bereits ab 100 Euro investieren können, überschaubar zu halten, kommen nur rund 20 Prozent aller Kreditanfragen nach sorgfältiger Bonitätsprüfung auf den Marktplatz.

Christian Grobe (links), Mathias Knecht (rechts), Quelle: Zencap

Christian Grobe, Matthias Knecht:
"Wir treiben den längst überfälligen Kulturwandel in der Finanzbranche voran."

Marcus Tandler - Onpage.org

Willkommenskultur für Start-ups

Was wünschen sie sich? 

„Wenn Deutschland im globalen Wettbewerb der Unternehmensstandorte bestehen will, muss es gründerfreundlicher werden. Gerade junge Gründer, die nicht ortsgebunden sind und oftmals lediglich ein paar Laptops und schnellen Internetzugang benötigen, überlegen sich sehr gut, wo sie ihre Zelte aufschlagen. Ich wünsche mir eine Willkommenskultur für Start-ups und eine Förderung von Entrepreneurship, auf dass mehr junge Talente es wagen, hierzulande ein eigenes Unternehmen aufzubauen.“

Wer wünscht sich das?

Die vier Unternehmensgründer Marcus Tandler (Bild rechts, Mitte), Andreas Bruckschlögl, Jan Hendrik Merlin Jacob und Niels Dörje (nicht abgebildet) gingen mit OnPage.org im August 2012 mit weniger als 2000 Euro Gründungskapital offiziell online. Komplett eigenfinanziert schrieb das Start-up sofort schwarze Zahlen. Nach fünf Monaten begrüßte das Unternehmen bereits den 500. Kunden, mittlerweile wurden mehr als 3000 Projekte mit der Software von OnPage.org überprüft. 2014 wurde das Unternehmen auf dem Deutschen Mittelstands-Summit als einer der TOP 100 Innovatoren in Deutschland ausgezeichnet.

Was ist die Innovation des Unternehmens in einem Satz? 

Qualitätsmanagement für Websites.

Um was geht es dabei? 

OnPage.org entwickelt und vertreibt Werkzeuge für professionelles Qualitätsmanagement von Webseiten. Der Fokus der webbasierten Software liegt auf der nachhaltigen Optimierung für Suchmaschinen: Die spezielle Analyse-Software durchsucht Internetauftritte oder Onlineshops auf Fehlerquellen und Optimierungspotenziale. Namhafte Unternehmen wie Zalando, ImmobilienScout24, Telekom, Jochen Schweizer, Condé Nast sowie die Süddeutsche Zeitung wenden die Technologie OnPage.org zufolge schon an.

Quelle:  Andreas Lukoscheck
Photography

Marcus Tandler:
"Deutschland muss gründerfreundlicher werden."

Dwight Cribb - Cribb

Digitalkompetenz

Was muss besser werden? 

„Unternehmen verschlafen es noch, außerhalb digitaler Einzeldisziplinen Manager zu gewinnen, die dafür sorgen, dass sich das gesamte Unternehmen in Richtung Digitalisierung entwickelt. Das liegt oftmals daran, dass die Entscheidungsgremien der Unternehmen zu kurzfristig orientiert und in vielen Fällen falsch besetzt sind. Der Fokus liegt auf dem aktuellen Geschäft und dem Börsenkurs. Hier fehlt es dann an Mut und Weitsicht, die Herausforderungen der Digitalisierung und den damit verbundenen Wandel wirklich gezielt anzugehen. Ebenso mangelt es häufig am nötigen Verständnis für die kulturellen Unterschiede zwischen junger Online- und alteingesessener Offline-Welt. Wir brauchen einen intensiven Dialog zwischen neuer und alter Welt, eine neue Fehlerkultur und vor allem die Bereitschaft zur – teilweise auch schmerzhaften – Veränderung.“

Wer wünscht sich das? 

Das Personalberatungsunternehmen cribb hat sich auf die Rekrutierung von Vorständen, Geschäftsführern und Bereichsleitern mit ausgeprägter Digitalkompetenz spezialisiert. Seit 1998 berät das Team um Dwight Cribb in Hamburg und Berlin Unternehmen der digitalen Wirtschaft und solche, die sich den Herausforderungen des digitalen Wandels stellen wollen. Dabei unterstützen die Personalberater Unternehmen bei der Entwicklung geeigneter Personalstrukturen und ergänzen Führungsgremien mit passenden Kandidaten.

Was ist die Innovation des Unternehmens in einem Satz?

Personalberatung für Digitalexperten auf der obersten Führungsebene.

Warum ist diese Dienstleistung wichtig?

Inzwischen wissen die meisten Unternehmen, dass sie der Digitalisierung aktiv begegnen müssen. Eine tragfähige Strategie muss jedoch auf Führungsebene angestoßen und vorangetrieben werden. So plädieren die Digitalexperten von cribb unter anderem dafür, dass Unternehmen aller Branchen eine Person auf oberster Führungsebene installieren, deren Hauptaufgabe die Digitalisierung ist. Dabei ist es unerheblich, ob sie Change Manager, Chief Transformation oder Chief Digital Officer heißt.

Quelle: Dwright Cribb

Dwight Cribb:
"Wir müssen die Digitalisierung und den damit verbundenen Wandel gezielt angehen."

Greta und Johannes Kreuzer - Cosinuss

Förderung ohne Eigenkapital

Was ist Ihr Problem?

Für ein junges Unternehmen, das ein Produkt entwickelt und nicht ‚nur‘ Dienstleistung anbietet, ist es immer noch schwer, eine Förderung für Forschungsprojekte oder marktnähere Förderungen zu erhalten, da diese mit einem gehörigen Eigenanteil verbunden sind. Somit werden meist nicht die jungen, innovativen Unternehmen gefördert – also gerade die, welche die Förderungen am dringendsten benötigen.“

Wer plädiert für diese bessere Förderung? 

Auf der Grundlage seiner Doktorarbeit über Humansensorik entwickelten Johannes Kreuzer und seine Frau Greta 2008 „Wearables“ als bequeme Alternative zum Brustpulsgurt. Im Jahr 2011 gründeten sie in München cosinuss und spezialisierten sich auf die kontinuierliche und mobile Messung von Vitalparametern wie Pulsfrequenz, Körperkerntemperatur und Sauerstoffsättigung im äußeren Gehörgang. Primäre Zielmärkte für die mobilen Messgeräte sind der Bereich Sport und Fitness, die Medizin und der Arbeitsschutz, aber auch das Militär oder die Schlaf- und Gehirnforschung.

Was ist die Innovation des Unternehmens in einem Satz?

Wearable Technology – ein im Ohr tragbarer, mobiler Herzfrequenzmesser.

Wie funktioniert das genau?

Die „Wearables“ von cosinuss messen die Vitaldaten direkt am Ohr des Trägers. Die Messdaten können dann einfach per Bluetooth an ein Smartphone weitergeleitet werden. „Die Möglichkeit, den Sauerstoffgehalt des Blutes mobil und in Echtzeit zu messen, ist eine bahnbrechende Innovation für Sportmediziner, Schlaf- und Gehirnforscher“, sagt Greta Kreuzer. „Auch für Leistungssportler im Training ist es wesentlich angenehmer, unser Gerät zu tragen, als einen Pulsgurt umzuschnallen.“

Quelle: Cosinuss

Greta und Johannes Kreuzer:
"Durchhalten und sich nicht sofort entmutigen lassen."

Mostafa Akbari - Bitstars

Netzausbau

Was würde Ihnen helfen? 

„Klare und einfache Richtlinien für Datenschutz und Datensicherheit würden uns sehr helfen. Aktuell ist es sehr schwierig, aufgrund der Regulierungen die Kosten für Produkte und die möglichen Probleme auf dem deutschen und europäischen Markt abzuschätzen. Super wäre schnelles Internet in allen Städten und Bezirken, wo KMUs stark konzentriert sind. Bisher sind neue Technologien und Trends oft gar nicht vor Ort erfahrbar oder bekannt. Außerdem wäre eine positive Imagekampagne gegen die typische ‚German Angst‘ vor technologischen Veränderungen angebracht.“

Wer fordert das? 

Seit 2008 beschäftigen sich Mostafa Akbari, Simon Heinen und Kristina Tenhaft von bitstars mit den Themen Augmented und Virtual Reality. Die Idee des Start-ups aus Aachen: eine Plattform, die so einfach zu bedienen ist, dass jeder Nutzer auch ohne Programmierkenntnisse 3-D-Inhalte für die Anwendung auf Smartglasses, Smartphones, Smartwatches und Tablets oder zur Einbindung auf der eigenen Webseite erstellen kann.

Was ist die Innovation des Unternehmens in einem Satz?

Plattform für mobile 3-D-Inhalte ohne Programmierkenntnisse.

Was war der Impuls für diese Innovation?

Die Macher von bitstars haben bemerkt, dass immer mehr neue technische Endgeräte auf den Markt kommen, die ohne 3-D-Content nicht interessant sind. Hier entsteht ein großer Bedarf an Softwareinhalten. Die Lösung von bitstars: der „Holo-Creator“. Mit wenigen Klicks kann der Nutzer selbst beispielsweise eine Augmented-Reality-Anleitung erstellen. Ebenfalls möglich ist es, die einfache 3-D-Ansicht eines Objekts – wie etwa von einem Möbelstück – zu erstellen und dieses virtuelle Objekt in einen virtuellen Raum oder via Smartglasses in sein eigenes Blickfeld einzublenden.

Alle aktuellen Termine der Mittelstandstage finden Sie hier

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Quelle: Bitstars

Mostafa Akbari:
"Schnelles Internet und eine Imagekampagne gegen ‚German Angst’."